{"id":601,"date":"2017-06-21T14:13:53","date_gmt":"2017-06-21T12:13:53","guid":{"rendered":"https:\/\/kogge.dsm.museum\/?p=601"},"modified":"2017-09-13T11:27:10","modified_gmt":"2017-09-13T09:27:10","slug":"eine-kurzgeschichte-der-kogge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kogge.dsm.museum\/index.php\/2017\/06\/21\/eine-kurzgeschichte-der-kogge\/","title":{"rendered":"Eine Kurzgeschichte der Kogge"},"content":{"rendered":"<p>Die \u00bbKogge\u00ab wurde 1962 bei Ausbaggerungsarbeiten in der Weser bei Rablinghausen gefunden. Der Fund der \u00bbKogge\u00ab war mit ausschlaggebend, das Deutsche Schiffahrtsmuseum zu gr\u00fcnden. Im Rahmen von drei Bergungskampagnen wurde der Fund in demontierter Form nach Bremerhaven gebracht.<!--more--><\/p>\n<p>In einem Annex am Scharoun-Bau wurde in der sp\u00e4ter als Museumsraum genutzten sog. \u00bbKogge-Halle\u00ab zun\u00e4chst ein Werkstattraum eingerichtet. Dort wurde die \u00bbKogge\u00ab wieder zusammengesetzt und anschlie\u00dfend mehrere Jahre in einem mit Polyethylenglykol (PEG) gef\u00fcllten Tank konserviert.<\/p>\n<p>Der Einsatz des PEG erfolgte als Teil der am DSM geleisteten experimentellen Grundlagenforschung und in engem Austausch mit europ\u00e4ischen Kollegen. Aufgrund der dem Fund und seiner Konservierungsforschung zugemessenen Bedeutung wurde das Deutsche Schiffahrtsmuseum seit 1980 auf der \u00bbBlauen Liste\u00ab gef\u00fchrt. Der Konservierungstank wurde Teil der ersten Ausstellung.<\/p>\n<p>2000 wurde die Konservierung der \u00bbKogge\u00ab abgeschlossen und diese erstmals freistehend gezeigt. 2009 wurden \u00e4u\u00dfere St\u00fctzen an der \u00bbKogge\u00ab angebracht, da das Holz unerwarteter Weise nach au\u00dfen dr\u00fcckte und die Kogge auseinanderzubrechen drohte. Ursache daf\u00fcr waren der fehlende Wasserdruck und das durch die PEG-Tr\u00e4nkung ver\u00e4nderte spezifische Gewicht des Holzes. Die St\u00fctzen machen die Forschungsgeschichte sichtbar.<\/p>\n<p>Langfristig gilt es, eine dauerhafte, aus ingenieurswissenschaftlicher Perspektive geeignete Pr\u00e4sentationsform der \u00bbKogge\u00ab zu entwickeln. Derzeit werden in einem ersten Schritt und unter Einsatz unterschiedlicher Methoden digitale Messungen vorgenommen, um die Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse der \u00bbKogge\u00ab als Grundlage f\u00fcr einen Ma\u00dfnahme- und Handlungsplan zu verstehen.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 2017 wurde die sanierte \u00bbKogge-Halle\u00ab mit einer neuen semi-permanenten Ausstellungskonzeption er\u00f6ffnet. Die Ausstellungskonzeption selbst wurde begleitet von Expertengespr\u00e4chen (Wissenschaftlicher Workshop, Workshops zur Barrierefreiheit und zum Vermittlungskonzept) sowie zweier Lehrveranstaltungen der Universit\u00e4t Bremen. Zus\u00e4tzlich wurden tempor\u00e4re Fellowships an externe Experten zur Erarbeitung von Ausstellungsinhalten vergeben. Die Ausstellung zeichnet sich durch eine enge Verkn\u00fcpfung mit aktuellen Forschungsprojekten aus, die 2015 am Haus begonnen wurden. Um die Kogge noch besser vor der sch\u00e4digenden UV-Strahlung zu sch\u00fctzen, wurde eine doppelte Gaze mit Lichtsensorik angebracht.<\/p>\n<p>Was bedeutet die \u00bbKogge\u00ab f\u00fcr die Forschung?<\/p>\n<p>Die Bergung der \u00bbKogge\u00ab begr\u00fcndete in Deutschland die Unterwasserarch\u00e4ologie als Disziplin. Hieran wurden grundlegende Dokumentations- und Rekonstruktionsmethoden entwickelt.<\/p>\n<p>Die Konservierung der \u00bbKogge\u00ab mit Polyethylenglykol (PEG) war ein gro\u00dfes Experiment der Forschung. Heute ist sie aus wissenschafts- und museumsgeschichtlicher Sicht ein spannendes Forschungsobjekt.<\/p>\n<p>Aufgrund seiner Gr\u00f6\u00dfe und Vollst\u00e4ndigkeit ist die \u00bbKogge\u00ab der einzige erhaltene Fund seiner Art. Sie gilt innerhalb der Forschung daher noch heute als Referenzobjekt.<\/p>\n<p>Welche Forschungsfragen werden derzeit an die Kogge gestellt?<\/p>\n<p>Das im Leibniz Wettbewerbsverfahren (F\u00f6rderlinie 4: Frauen in wissenschaftlichen Leitungsfunktionen) gef\u00f6rderte Projekt \u00bbZwischen Nordsee und Nordmeer: Interdisziplin\u00e4re Forschungen zur Hanse\u00ab fragt danach, wie der Handel auf den nordatlantischen Inselgruppen Shetland, F\u00e4r\u00f6er und Island organisiert und reguliert war. Wie waren die Kaufleute untereinander vernetzt? Welche Schiffstypen kamen zum Einsatz, und wie entwickelten sie sich? Welche Auswirkungen hatten die langen und engen Handelsbeziehungen auch auf die norddeutschen Kaufleute? Im 15. Jahrhundert begannen norddeutsche Kaufleute ihre Handelsbeziehungen auf die nordatlantischen Inselgruppen Shetland, F\u00e4r\u00f6er und Island auszuweiten. In den folgenden 200 Jahren wurden sie zu den wichtigsten Handelspartnern. Durch die engen Kontakte und den intensiven Austausch von G\u00fctern und Gedanken pr\u00e4gten vor allem Bremer und Hamburger H\u00e4ndler Wirtschaft und Kultur dieser Inselgruppen. Ein interdisziplin\u00e4res Forscherteam aus Arch\u00e4ologie, Geschichtswissenschaft und Arch\u00e4ozoologie untersucht in diesem Projekt die vielen Facetten dieser Beziehungen. Ausgangspunkt ist dabei die \u00bbKogge\u00ab. Laufzeit: 1. Februar 2015 &#8211; 31. Januar 2018, eingeworbene H\u00f6he an Drittmitteln: 880.000,- EUR.<\/p>\n<p>Das im Rahmen des EU-COST-Action-Programms (COSCH: Colour in Space in Cultural Heritage) durchgef\u00fchrte Monitoring (seit 2014) und die auf diesen Ergebnissen aufbauende Doktorarbeit<\/p>\n<p>(\u00bbMonitoring von Gro\u00dfobjekten im Museum\u00ab) fragen nach dem bestm\u00f6glichen Methodeneinsatz f\u00fcr die Detailanalyse der \u00bbKogge\u00ab als Grundlage f\u00fcr eine angemessene Pr\u00e4sentationsform und mit dem Ziel ihres dauerhaften Erhalts. Dazu kooperiert das Deutsche Schiffahrtsmuseum mit der Hochschule Jade in Oldenburg.<\/p>\n<p>Im Rahmen des Forschungsverbundes \u00bbHistorische Authentizit\u00e4t\u00ab der Leibniz-Gemeinschaft werden Besucher\/innen-Befragungen durchgef\u00fchrt als Grundlage zur Erforschung der Wahrnehmung und Wirkung von historisch authentischen Objekten.<\/p>\n<p>Welche Forschungsfragen werden in den n\u00e4chsten Jahren an die Kogge gerichtet?<\/p>\n<p>In Kooperation mit nationalen und internationalen Partnern soll erforscht werden, wie sich die \u00bbKogge\u00ab von zeitgleichen Funden ihrer Art unterscheidet, wie sie beispielsweise in Estland, Belgien und Mecklenburg-Vorpommern bekannt geworden sind, und welche kulturhistorischen Schlussfolgerungen sich daraus ziehen lassen.<\/p>\n<p>Unter Einbezug unterschiedlicher Disziplinen soll untersucht werden, wie stark die Rekonstruktion der \u00bbKogge\u00ab von zeitgen\u00f6ssischen Vorstellungen gepr\u00e4gt ist und wie digitale Messungen und Modellierungen dazu genutzt werden k\u00f6nnen, die \u00bbKogge\u00ab auf ihre Hochseet\u00fcchtigkeit, Fahreigenschaften und Detailausf\u00fchrungen hin zu pr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Auf Basis des derzeit durchgef\u00fchrten Monitorings und mit Hilfe ingenieurstechnischer und denkmalpflegerischer Expertise soll mittelfristig eine M\u00f6glichkeit entwickelt werden, die \u00bbKogge\u00ab dauerhaft zu pr\u00e4sentieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u00bbKogge\u00ab wurde 1962 bei Ausbaggerungsarbeiten in der Weser bei Rablinghausen gefunden. Der Fund der \u00bbKogge\u00ab war mit ausschlaggebend, das Deutsche Schiffahrtsmuseum zu gr\u00fcnden. 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